
Wenn Donald Trump heute lautstark Zölle erhebt, Handelsabkommen aufkündigt oder Handelskonflikte als patriotische Pflicht verkauft, klingt das wie der Versuch, den freien Handel mit Mauern zu schützen. Ganz anders dachte man im Mittelalter – ausgerechnet! Denn damals entstand an den Küsten der Ostsee und Nordsee ein geniales Gegenmodell: die Hanse.
Was war die Hanse?
Ein Netzwerk freier Städte, das auf Kooperation statt Konfrontation, Verlässlichkeit statt Abschottung und gemeinsame Regeln statt einseitiger Strafzölle setzte. Kaufleute aus Lübeck, Rostock, Stralsund, Wismar, Danzig, London und Bergen verstanden: Nur wenn man sich gegenseitig vertraut, profitieren alle. Sie sicherten sich gegenseitig zu, faire Bedingungen zu schaffen – für Waren, Wege und Worte.
Statt „America First“ hieß es:
„Ein ehrlicher Handel nützt der ganzen Stadt.“
Und statt Drohungen mit neuen Zöllen wurde miteinander verhandelt – oft stundenlang auf den berühmten Hansetagen, wo Ratsherren und Kaufleute Entscheidungen trafen, die ganze Regionen betrafen – gemeinsam, nicht gegeneinander.
Man stelle sich vor: Herr Trump auf einem Hansetag, umringt von bärtigen Seefahrern, die lieber Bier trinken und reden, als mit Zöllen zu drohen.
Er hätte es schwer.
Natürlich war auch die Hanse kein Paradies – sie hatte ihre Machtinteressen, ihre Schattenseiten. Aber sie war ein Versuch, mit Vernunft, Ausgleich und gegenseitiger Verpflichtung eine friedliche Form des wirtschaftlichen Miteinanders zu gestalten.
Vielleicht ist es an der Zeit, sich daran zu erinnern:
Wahre Stärke zeigt sich nicht im Zollkrieg, sondern im Vertrauen.
Und manchmal ist ein alter Greif an einem Stadttor klüger als ein lauter Präsident in einem goldenen Turm.