Er hat Schwingen wie ein Adler und Pranken wie ein Löwe. Mit stolz erhobenem Haupt blickt er von alten Stadttoren, Briefsiegeln, Fahnen und Fassaden: der Rostocker Greif – das sagenumwobene Wappentier der Stadt, ihr Wahrzeichen, ihr stiller Begleiter durch die Jahrhunderte.
Seit dem 13. Jahrhundert trägt Rostock den Greif im Stadtwappen. Er steht nicht einfach nur für Stärke oder Macht – er erzählt von Herkunft, Identität und einer tiefen Verbindung zu Land und Meer. Der Greif vereint das Himmlische und das Irdische: Mit dem Körper eines Löwen – Symbol für Mut und Erdverbundenheit – und dem Kopf sowie den Flügeln eines Adlers – Sinnbild für Weitblick, Freiheit und königliche Würde.
Ein Wesen aus der Sagenwelt, geboren aus dem Herzen einer Stadt.
Der Greif verweist auf die alten Fürsten von Mecklenburg und auf das Geschlecht der Greifen, das einst über das benachbarte Pommern herrschte. Aber mehr noch: In Rostock ist er längst nicht nur ein historisches Erbe – er ist Seelenzeichen, stolzer Botschafter und identitätsstiftende Figur.
Er begegnet uns auf Schiffen, in Stein gemeißelt, auf Uniformen, an Stadteingängen, auf Schulwappen, bei Fußballspielen und auf Universitätsurkunden. Überall dort, wo Menschen sich zu Rostock bekennen, wo sie ihre Liebe zur Stadt zeigen, ist auch der Greif.
Und doch ist er kein lauter Held.
Er schützt nicht durch Schwert, sondern durch Präsenz. Er ruht oft still – und erinnert daran, dass Kraft nicht im Brüllen liegt, sondern im Ausharren. Dass wahre Würde nicht laut ist, sondern aufrecht.
Für die einen ist er einfach das alte Wappentier. Für die anderen ist er ein starker Gefährte, ein freundlicher Geist über einer rauen Küstenstadt, ein Stück gelebter Geschichte mit Flügeln. Und wer ihn einmal mit dem Herzen betrachtet, der spürt: Dieser Greif ist mehr als ein Symbol. Er ist ein stiller Gruß aus einer anderen Zeit – und zugleich ein Versprechen an die Zukunft.
