Bewahrte Schönheit

Faszination für Fischland-Darß-Zingst

Ein großer Teil meiner Faszination für Mecklenburg-Vorpommern – und ganz besonders für Fischland-Darß-Zingst – hat mit einer fast schwer zu erklärenden, tief empfundenen Dankbarkeit zu tun: dem Glück, dass diese Gegend über Jahrzehnte in gewisser Weise „konserviert“ wurde. Nicht aus bewusster Fürsorge, sondern eher durch die Umstände der Geschichte blieb hier vieles von dem aus, was andernorts unter dem Stichwort „Moderne“ durchgesetzt wurde – mit all ihren fragwürdigen Umgestaltungen, Zersiedelungen, Überformungen.

Was andernorts in Beton gegossen, begradigt, verdichtet oder durch Funktionalismus ersetzt wurde, scheint hier an vielen Stellen noch zu flüstern: alte Häuser, die noch mit der Landschaft sprechen, Dörfer, die nicht nur funktionieren, sondern erzählen, Straßen, die sich nicht nur irgendwohin winden, sondern etwas erzählen vom Unterwegssein in der Zeit.

Natürlich wurde auch hier nach der Wende vieles „verbrochen“ – manchmal aus Unwissen, manchmal aus Gier, manchmal aus gutem Willen. Aber das große Ganze, das Lebensgefühl dieser Landschaft, das Wechselspiel aus Himmel, Wind, Schilf und Stille – es ist geblieben. Und mehr noch: Es schimmert hier eine Vergangenheit durch, die im Westen fast vollständig ausgelöscht wurde.

Wenn ich dort bin, überkommt mich eine besondere Nostalgie – nicht im Sinne einer sentimentalen Rückwärtsgewandtheit, sondern als eine tiefe Sehnsucht nach dem, was einmal war und was hier in Spuren noch zu finden ist. Eine Ahnung davon, dass nicht alles Neue besser, nicht jede Entwicklung ein Fortschritt ist. Und dass Glück auch darin liegen kann, das Unveränderte zu entdecken – das Bewahrte.

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