Die Molli – mit Dampf durch Raum und Zeit

Wer zum ersten Mal das Schnaufen, Pfeifen und Rumpeln der Molli-Bahn hört, spürt sofort: Hier fährt nicht einfach nur ein Zug. Hier fährt ein Stück lebendige Geschichte durch die Landschaft, mit rußigem Stolz und unverwechselbarem Klang.

Seit 1886 verbindet die Schmalspurbahn die Ostseebäder Bad Doberan, Heiligendamm und Kühlungsborn – auf eine Weise, die so charmant wie einzigartig ist

Mit einer Spurweite von nur 900 Millimetern schlängelt sich der „Molli“ durch enge Straßen, vorbei an alten Alleen und durch den ältesten Seebadeort Deutschlands – Heiligendamm, die „Weiße Stadt am Meer“. Hier rauscht sie direkt am Kurhaus vorbei, nur wenige Meter vom Ostseestrand entfernt – ein Bild wie aus einer anderen Zeit.


Dass eine Dampflok heute noch im Regelbetrieb auf öffentlichen Straßen fährt, ist in Deutschland eine echte Seltenheit – und genau das macht die Molli-Bahn so besonders. Sie ist nicht nur eine Touristenattraktion, sondern auch Teil des Alltags vieler Einheimischer: Man trifft Schulkinder, Pendler und Urlauber – alle vereint im rhythmischen Schaukeln der alten Holzbänke.

Die Wagen selbst erzählen Geschichten: manche sind über hundert Jahre alt, mit glänzenden Messingbeschlägen, kleinen Abteilen und geöffneten Plattformen, auf denen man den Fahrtwind im Gesicht spürt und den Duft von Dampf, Kohle und Küstenluft atmet. Eine Fahrt mit dem Molli ist kein Mittel zum Zweck – sie ist ein Erlebnis. Ein Innehalten. Eine Reise mit allen Sinnen.

Dass diese Bahn bis heute existiert, ist dem Engagement vieler Eisenbahnliebhaber, Bürger und Lokführer zu verdanken. Sie haben den Molli durch wechselvolle Zeiten gerettet – vom Kaiserreich über die DDR bis in die Gegenwart. Heute fährt der Molli nicht nur, er begeistert. Und er erinnert uns daran, dass Technik auch Seele haben kann.

Wer die Ostseeküste mit Herz entdecken will, sollte den Molli nicht nur sehen – sondern erleben. Am besten im offenen Waggon, mit dem Blick auf Buchenwälder, Meeresblau und rote Backsteinvillen. Und mit dem Gefühl, dass manchmal das Langsamste das Schönste ist.

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